På festivalen V: Bavarian Open Festival

von Mario

Um Neun rein. Drängen sich ältere Menschen. Im Foyer gesetzt warten. Namen sagen, suchen lassen. Gefunden werden, Stempel kriegen. Noch einmal warten vor der anderen Garderobe. Mehrmaliges Anrempeln durch fremde Frau. Mädchen mit vier Männern schon. Wohl keine Absicht. Freizeit 98 sind schon wieder fast fertig. Die letzten Klänge erhascht: “Danke, wir waren Freizeit 98.” So was von schade drum. Aber es geht los.

In drei Studios, Foyer und noch ein wenig drum rum: Das Bavarian Open Festival. Von und mit und im BR. Funkhaus. Drängen sich viele gesetzte Menschen. Jugendlich fühlt man sich. Angesichts der sich von Studio zu Studio Schiebenden. Nicht wertend, nur angemerkt. Die Menge verdichtet sich zum Knoten der die Tür verschließt. Und drinnen spielen Yucca. Über Backstagekatakomben ganz nach vorne. Gesichter, Münder, Muskeln machen Musik. Drängen herausgepresste Luft in verschiedene Tonlagen. Nicht nur Lungen, Stimmbänder, Münder arbeiten. Musik ist körperliche Arbeit. Stampfend und zuckend und in Anstrengung, Konzentration, Ekstase krampfend. Vorwärts, flirrende Elektronik kracht in ein Schlagzeug und rauhe Gitarren, gemeinsam den Gesang treibend.

Danach mischen. Sich die Massen auf dem Weg ins nächste Studio. You Say Party! We Say Die! Die Sängerin ist 70er. Glitzernde Jacke, pastellfarbenes Top. Haut und Haar, leicht matt. Fotos von damals springen in den Sinn. Stimmgewalt, auch im Duett. Gepaart mit feiner Synthesizerspielerei, auf dezentem Gitarrenteppich im Schlagzeugbett. Ein wenig Punk auch. Manchmal hymnisch, wild. Man geht zu früh. Weil die anderen ja auch spielen. Dillon zum Beispiel. Spielt grad langsam Klavier. Und singt. Technisch sauber, trotzdem ahnt man das Schulkonzert. Gleich vorbei, es folgt: Scout Niblett. Mikrophongefummel – erschöpft, genervt, weniger abgebrüht als gewünscht: Any questions? Antwortschreie. You’re very shy… Geplänkel und Turnaround, sympatische Frau. Und dann: Gitarre und Gesang. Stimmlich raumgreifend, raumfüllend, raumdruchdringend. Beeindruckend, und später wohl auch mit Schlagzeug. Wir gehen gerade weiter.

La Brass Banda. Kontraste. Balkanbeats auf bayrisch. Tuba Hildegard und Tubist Hans. Trompete, Posaune, Schlagzeug und Bass. Manchmal nur als Teppich für hochgeschwindten bayrischen Sprechgesang. Meist ton- und tanzangebend. Leider auch nur kurz. Denn, unglaublich aber wahr, klischeefrei und hörbar. Studiowechsel! Unterwegs. Mann hat Frau CD gegeben. Es gibt Probleme. Mit der Unterbringung. Kurzerhand in den Slip gesteckt. Holy Fuck. Angeblich die Chemical Brothers in analog. Nicht ganz. Fetzen Elektrogefrickel crashes into metalverdächtige Gitarren und prügelndes Schlagzeug. Bisweilen hymnisch, immer vorwärts rasend und basslastig. Der Saal vibriert. Band of the day.

Dann noch: Band of Horses. Auf Subpop. Dem Nirvanalabel. Sehen so aus. Truckercaps, Holzfällerhemden und lange Bärte. Der Sänger sitzt. Die ersten Songs. Vor einer Kastengitarre. Trotzdem und dannach erst recht: Bewegung, mehr im Kopf als in der Masse, wundervoll. Schlagzeug-, Gitarren- und Klavierbasis. Darin und darüber, mal wieder: Eine kraftvolle Stimme. Erfreut nach Haus. Nächstes Jahr wieder.

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