“…sich in den Hintern treten muss!”

von Flo

Mario, fallen/legens Webdesigner und Mit-Redakteur, ist ein vielbeschäftigter Mensch: Neben Uni, Magazin und anderem ist er auch Teil des Organisationsteam des Süd-Ost-Rock-Festivals im oberbayerischen Bad Aibling. Das ermöglicht fallen/legen am Vorabend des ersten Festivaltages 2008: Vordergründig eine kleine Studie über die Motivation ehrenamtlicher Arbeit – und nebenbei einen Einblick in die Organisation des SORF. – Nicht gerade ein Global Player unter den Festivals, aber mit Gästen wie Bratze, The Movements, Locas In Love oder (in früheren Jahren), Chikinki, Petsch Moser und Nova International durchaus der Lokalebene entwachsen.
Nebenbei blieb die Frage, wie man unter Freunden ein Interview beginnt…

Flo: Hmm, wegen mir kann’s losgehen – wobei ich sagen muss, dass ich für das Problematischste den Anfang halte…

Mario: …wir können uns ja reinplaudern… Sind übrigens auf Listentoeurope gelistet, dank der guten roten raupe. Neben Southside und Rock am Ring.

Oha. Sauber. und Way Out West. Schwedens Bestes… Glaubst, das wird was bringen?

Ich denke wir werden da eher untergehen, neben solchen “Größen”. Aber vielleicht verirren sich ja ein oder zwei Leute über die Seite zu uns. Ich seh das wie den roteraupe-Festivalcontest im letzten Jahr, da war das SORF immerhin an 6. Stelle – geil, als Ehrenamtlicher bei den Großen mitzuspielen.

…wobei der ja vor allem von der Motivation der treuen “Fanbasis” entschieden wurde… – sind das trotzdem die kleinen Highlights, die einem einen neuen Push geben, weiterzumachen?

Klar, wie gesagt, das bei den Großen mitspielen, dass man es als jemand, der keine Booking- oder Werbeagentur mit entsprechenden Connections im Rücken, sondern nur ein witziges Anschreiben auf der Habenseite hat doch auf die Jugendseite der SZ schafft, oder eben zu listentoeurope oder jetzt.de. Das gibt einem schon die Bestätigung, dass man seine Arbeit ganz gut und professionell macht.

…also ist eine Motivation für die Arbeit am Festival auch, sich selbst auszuprobieren und Bestätigung zu erhalten? Wieviel macht das so aus? Prozentual, oder vielleicht auch in Worten?

Lieber Worte als Prozente. Ich denke einen großen Teil, ich mache für das SORF ja die PR- und Werbearbeit, weil da viele Dinge reinfallen die mich interessieren und in denen ich mich auch für halbwegs talentiert halte: Entwerfen, Gestalten, Schreiben… das Festival bietet mir eine Plattform um das alles auch mal “praktisch” anzuwenden, mich „auszuprobieren“. Das war schon auch ein Ziel mit dem ich reingegangen bin. Wobei sich das mittlerweile auch verbreitert hat, das SORF bringt mir Dinge bei… Also dadurch dass ich etwas machen oder ausprobieren muss, weil ich vor Problem X stehe, mit denen ich niemals gerechnet oder die ich nie auszuprobieren geplant habe…

…was ist das, das einen dann ins Unbekannte “hinein fordert”?

Naja, ich bin wie gesagt mit der ganzen PR- und Werbemasche eingestiegen und dachte, das ist mein Ding, mein Bereich, das mach ich und die anderen machen jeder ihren Bereich und am Schluss treffen wir uns und machen ein super Festival. Wenn man’s durchdenkt sehr naiv… Naiv, weil jedes Team natürlich einen “Anführer”, “Koordinator”, “Impulsgeber” – lauter dämliche Klischees – braucht, der sich darum kümmert, dass Aufgaben erkannt und erledigt werden… jemand der sich zuständig fühlt, und genug Motivation hat, um nach links und rechts mal Häppchen davon zu verteilen. Das ist die eine Hälfte und die andere hängt da auch voll mit drin. Dass man nämlich überstresst, überzuständig ist und die Leute einengt, es “menschlich” nicht hinkriegt und mit den Leuten nicht immer richtig umgeht, was man aber muss, sonst klappt’s nicht… das schafft den anderen Haufen Probleme.

Also viele Dinge die Sozialkompetenz betreffend, hm? Wie wichtig für den Spaß, den Erfolg und das Dabeibleiben sind die ominösen “anderen” und welche anderen es sind?

Jepp, die Vielbeschworene. “Die Anderen”, naja, es dürfte recht schwer sein, ein Festival als Einzelkämpfer zu organisieren, “die Anderen” sind also auf jeden Fall mal notwendig…es Übel. (lacht.) Nein, so ein Festival ist eine Teamsache und je besser man sich versteht, desto mehr “Spaß” hat man auch.

Gibt’s da auch “Überraschungen”, entstehen neue Freundschaften? Oder schweißt das gemeinsame Arbeiten anderweitig zusammen?

Na klar, man lernt sich durch die Zusammenarbeit auf meist angenehme, manchmal unangenehme Weise besser kennen. Und aus Bekannten werden Freunde und aus Freunden noch bessere Freude. Das kommt gerade jetzt, in der End- und Superstressphase kurz vor dem Festival immer mehr durch, das Gemeinsame. Ich glaube sonst würde man so ein Festival am Tag vorher einfach absagen… ohne so eine Art Teameuphorie, den gemeinsamen Blick über den Masskrugrand in den Sonnenuntergang… um’s mal romantisch zu verklären. Obwohl es grad am stressigsten, ist und man sich am deutlichsten anzickt und in den Hintern treten… muss!, sonst gäbe es kein Festival.

Was ist denn der Moment, in dem du dir sagen kannst: “ja, wir können zufrieden sein?” – reicht die gute Arbeit, das gewonnene Teamgefühl, oder sinds auch harte Fakten oder Stimmungen am Ende?

Alles zusammen. Ich denke die “gute Arbeit” alleine ist so eine Basis, das mit sich selbst zufrieden sein, schwierig bei mir und deshalb wichtig. Damit direkt zusammenhängend sind die “harten Fakten”, man fühlt sich für das was Andere vor einem aufgebaut haben verantwortlich und will’s genauso gut oder besser “zurückgeben”. Und der Kick, das, wovon man noch Jahre später erzählt und zehrt… ich denke, das ist die Stimmung auf dem Festival und im Team, die Gewissheit etwas tolles geschafft zu haben und die Gewissheit es gemeinsam geschafft zu haben.

Worauf freust du dich jetzt, wenn’s auf den ersten Festivaltag zugeht?

Darauf, dass es vorbei ist. Nein, auf die Arbeit irgendwie, das wird nochmal die ganze Vorbereitung im Schnelldurchlauf, super stressig und gleichzeitig hoffentlich sehr befriedigend weil man überall die Ergebnisse seiner Arbeit sieht und alles endlich fertig und zu einem Festival wird. Und dann gibts sicher noch die fünf, sechs Momente in denen man diese Ergebnisse auch noch einfach genießen kann.

Und… nächstes Jahr dann wieder?

Einerseits bin ich eigentlich in Schweden, andererseits ist wohl kein “Nachfolger” in Sicht… Es ist eben auch ein Stück Verantwortung das Ganze weiter zu führen…

Das SORF findet am 6./7. Juni 2008 in Bad Aibling bei Rosenheim statt. Tickets sind für 8 Euro/Tag vor Ort zu erwerben, und geben Zutritt zu Konzerten von Bratze, Locas In Love, The Movement, Russkaja, Caprece uvm., sowie schmelzendem Asphalt vor der einmaligen Kulisse des Kalten Krieges: Das Echelon-System der Amerikaner wirft Schatten in die Abendsonne, und in der ehemaligen Fliegerhalle bröselt der Putz unter den Bässen der multipolaren Welt. …über 300 Kilometer Anreiseweg ist der Eintritt frei. Viel Spaß!

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