Den halben Weg getragen.

von Flo

Skandinavische Eindrücke, die nur eigenes, und doch für alle ein wenig miterinnern.

Über die Bilder, die Worte, die Akkorde und Melodien anderer Menschen zu schreiben ist ein wenig, wie sich ein Stück des Weges ihrer Arbeit zu bedienen – all das was man aus ihrem bereits getanen Werk betrachtet, muss nicht mehr aus der Flut der Dinge und der Möglichkeiten unseres Lebens isoliert werden; man muss es nur noch (wieder-)erkennen.

Dieses Isolieren mag das schwerste am künstlerisch tätig sein sein – nichts von dem, was uns begegnet hat schließlich Namen oder Bedeutung, es ist einfach. – Zu viel um erfasst zu werden; gleich wieder vorbei.

Etwas bereits festgehaltenes zu finden und zu zeigen ist der leichtere Weg – aber lohnen mag es sich trotzdem, denn im besten Falle steht man dann Schulter an Schulter mit dem Leser, und lässt sich wirklich ein Stück weit tragen, von dem, was man hier gefunden hat. Jemand ist schon losgegangen, und hat den Dingen, die wir nicht festhalten, benennen oder erfassen können einen Namen gegeben.

Ein seltsamer Gedanke ist es, dass wir jeden Tag leben, zwischen diesen namenlosen Seltsamkeiten, all jenem, das uns begegnet, und verschwindet – zweifelsohne behalten wir Erinnerungen, und werden sie doch immer aus einem zukünftigen Geisteszustand denken, das damals an das heute angleichen. Und der Strom der Gefühle, der Bilder, die Begegnungen wird schneller als man denkt weit vergangen sein. Vielleicht geht es hier ein wenig um dieses Ding der “Jugend” – und wer schon einmal gedacht hat, gestern noch 17 gewesen zu sein, und heute 22, sich erst nach irgendeinem Anstoß erinnert, wie sich damals eigentlich all das angefühlt hat, weiß vielleicht, was ich meine.

Gut möglich, dass wir morgen 27 sein werden, und nicht mehr die Gedanken und Hoffnungen von heute fühlen. Und da mag der Gedanke sein, dass man all das nicht einfach verschwinden lassen sollte. Die Menschen, und die Gefühle, die Momente und all dieses.
Trotzdem bleibt man oft nur genug Erleber seines eigenen Lebens, lässt es alles passieren. Passieren im Sinne von vorüberziehen. Weniger schlimm, wenn jemand anderes für einen mitfesthält. Ein wenig.

Ein Zufall war es, dass ich vor einiger Zeit mitten in einer Mittwochnacht auf ein Fotoalbum auf der Seite des yahoo-Ablegers flickr stieß. Ein paar Suchworte und ne Bildersuche auf der Recherche zum Erasmusstudium in Südschweden. Und gefunden: Die Fotografie eines gewissen Carl-Oskar aus Malmö – und ein wenig Erleichterung, abgenommenes Gewicht: Zieht nicht alles vorbei.


“there’s a moment, somewhere after three o’clock, when you give up your plans on a continued friday night out. i tried to catch that moment.”

Es wird hier fotografiert – so ziemlich alles, aber in einer bestimmten Art und Weise. Meistens, und auf den besten der Fotos, steht nicht das Bild als au�ergew�hnliche Anordnung von Dingen und Orten, Farben und Formen im Vordergrund. Eher gerinnt auf jedem der Fotos ein wenig die Zeit. Menschen sitzen auf Treppen, zwischen dem Kommen und dem Gehen, sind ganz nah für eine Sekunde mitten in der Nacht. Lampen werfen Schatten, sprühen Licht, an Wände von
Orten, aus denen wir wieder ausziehen werden.

Menschen und Licht sind die entscheidenden Komponenten, würde ich mutmaßen; fast wie im richtigen Leben. Beide kann man nicht festhalten; sie fallen, wie sie wollen. Und wenn sie schön sind, und ein Gefühl vermitteln, dann hält man zumindest den Moment fest, in dem sie hier stehen… Es sind Konstellationen, die fotografiert werden, aber es geht nicht um die Anordnung der Formen, sondern die Anordnung dessen was hier schwingt; so flüchtig wie nahe am eigenen unoptischen Fühlen. Die Sonne über den D�chern von Malmö, das Leben hinter den Fenstern, die Gesichter von Freunden, die Zeit, in denen sie nicht da sein werden. Wie die Dinge stehen, und auseinander streben werden. Ein wenig Erinnerung im besten Sinne.

Faszinierend ist spezielle Blick, der mehr als die Materie festhält – den vergehenden Moment, und den eigenen Winkel gleich mit. Auf die Dinge als Lebewesen, bewundernd nach oben, weich in den Vormittag. Auf Knien auf dem Parkett, halbhoch an der Fassade einer Nacht entlang?
Tack så mycket!


“hopeless? at falafel no. 1″

Alle Fotos auf dieser Seite von und copyrighted by Carl-Oskar Linné.
Mehr wunderbare Fotografie auf less rest und flickr.

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