Schwedische Gardinen: 70er

von Flo

Der beige-gr�ne Teppich aus den 70er Jahren und die neonverschalten Deckenplatten durch einen viel zu hellen, blau-gesch�ften Himmel ersetzt.

Andersson atmete schlie�lich eine Art von auf. Nicht, dass ihn die hinter Wolken versteckte Sonne weniger blendete als die Blitzlichter der desinteressierten Fotografen, oder er die �bertriebene Postkartenidylle der steten Langeweile dem stickigen Hochhausraum vorgezogen h�tte. Aber immerhin war hier weniger notd�rftige Ettikette notwendig. Er lockerte seine schlecht gebundene Krawatte und starrte auf das Wasser unter dem Bug des kleinen Linien-Kahns, der sie nach Ut� brachte. Den aufdringlichen Zwerg im braunen Anzug ignorierte er. Sollte Rinnthanen sich damit herumschlagen. Verbrechen l�st man mit Intuition, Sp�rsinn und einer Flasche baltischen Schnaps im Wohnzimmer eines Verd�chtigen, und nicht in dem man geheimratsvereckten Knirpsen mit wichtigen Papyrusrollen zuh�rt. Er spuckte �ber die Reling aus, und schob sich einen Snus unter die Oberlippe. – Was hatte die Schnepfe von Dagens Nyheter gefragt? Dorfpolizisten an einem Mordfall. Er spuckte wieder aus, und verlor dabei den frischen Snus an die Ostsee. Schlecht hatte die Schnepfe aber gar nicht einmal ausgesehen. Er bediente sich ein weiteres Mal aus der kleinen Dose.

Rinnthanen sah Direktor Svensson aufmerksam an. Der Mann hatte die Unterlagen die ihnen zum L�sen dieses Falles behilflich sein konnten. Er hatte Verdienste in 30 Jahren Dienstzeit gewonnen. Und er entschied �ber die Bef�rderungen in ganz Ostschweden. Rinnthanen versuchte die Aufmerksamkeit Svenssons ganz auf sich zu lenken. Warum spuckte Andersson dauernd �ber die d�mliche Rehling, just in Gegenwart dieses wichtigen Mannes? Er konnte die Augen nicht von diesem erb�rmlichen Schauspiel abwenden. Eine Schande f�r die gesamte schwedische Polizei. Zumindest f�r die von Eskilstuna.
“Rinnthanen! H�ren Sie?!” – “…ummm, nat�rlich!”

Als sie auf das rot-wei�e Ferienhaus, das einmal Hagtorps, das des Toten, war zugingen, hielt Rinnthanen ein weiteres Dossier in den H�nden. Sein Inhalt verwunderte ihn nicht zu sehr – ein alkoholisierter Toter. Das kommt im Fr�hjahr vor. Sonst keine auff�lligen Stoffe im Blut. Im Kopf blieben ihm aber die anderen Instruktionen Svenssons. Oberste Geheimhaltung, diskretes Vorgehen. Die Finder der Leiche, die Abgeordneten Persson und Lundman, nur im Notfall und nochmals diskreter befragen. Allein durch den Verdacht k�nne ein schlechtes Licht auf den Staat fallen, und schlie�lich waren die M�nner nicht in der Parlamentsklausur, wie vorgesehen. Das leuchtete Rinnthanen ein. Und machte ihm dennoch Bauchschmerzen. Gerne w�rde er den Glauben aller an das gute Innere des schwedischen Staates wahren. Aber noch lieber w�rde er selber ein sicheres Wissen darum haben. Und warum war die Familie des Toten nicht einmal zum Unfallort gekommen?
Er hielt inne. “Andersson, wenn ihre Frau umgebracht w�rde…”, er drehte sich um. Andersson stand 50 Meter entfernt und suchte die Karte des Inselpubs nach seinem Lieblingsschnaps ab.
Andersson �berseufzte den Schrei einer einsamen M�we, brach das polizeiliche Siegel, und trat in das D�mmerlicht des Tatorts. Eines kleinen roten Hauses mit geschlossenen wei�en Fensterl�den, in dem 10 Stunden zuvor ein Mord stattgefunden haben musste.
Unvermittelt zuckte er zusammen.

Metadaten:

Einen Kommentar schreiben.



XHTML: Folgende Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>