I m Cyborg, but that s okay.

von Mario

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Die freundliche Frau Doktor stolpert verwundert zurück und fällt tapsig in einen Rollstuhl während Maschinengewehrkugeln ihren Körper zucken lassen. Gnadenlos mäht Young-goon auch die anderen Angestellten der psychiatrischen Anstalt nieder. Blutflecken auf weißen Gewändern, sich windende Körper, spritzende Fontänen aus Mörtel, Holz, Blut und Gemüse. Mit der Präzision eines Cyborgs töten die Kugeln aus Young-goons Fingern das Klinikpersonal und verschonen die Patienten. Als sie ihr tödliches Werk vollbracht hat, sackt sie leblos in sich zusammen und – alles ist wie zuvor.

Denn, Young-goon ist in Wirklichkeit natürlich kein Cyborg auch wenn Titel – I m Cyborg, but that s okay, Regisseur und Autor – Park Chan-wook, sowie Herkunftsland – Korea, anderes vermuten lassen könnten. Sie leidet seit sie die Einlieferung ihrer Großmutter – die sich für eine Maus hielt – in eine psychiatrische Anstalt nicht verhindern konnte unter einer Persönlichkeitsstörung. In dem Moment als die kleine Young-goon geschlagen und abgekämpft, auf ihrem Fahrrad sitzend dem Krankenwagen mit ihrer Großmutter am Horizont verschwinden lassen muss, wird sie zum Cyborg. Denn, kleines Fahrrad, Cyborgs besiegt niemand – außer ihre Batterie ist leer.


Bild: Screencapture, RapidEyeMovies, www.rapideyemovies.de

Young folgt von nun an ihrer eigenen Cyborglogik, die Tragik und Komik der Erzählung schöpft aus der Unverträglichkeit dieser Logik sowohl mit der Funktionslogik von Youngs Körper als auch der in der Gesellschaft akzeptierten Formen von Logik. Nach dem Versuch, ihre Batterie mit zwei Kabeln, die sie in ihre aufgeschlitzten Pulsadern gesteckt hat wieder aufzuladen wird Young in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert. Zu ihrem Glück, denn dort trifft sie auf Il-Sun. Ihm gelingt es als Einzigem zu ihr durchzudringen, anders als den Ärzten, die um das kleine Mädchen zwar sehr bemüht sind, sein großes Geheimnis aber nicht entdecken und damit die seinem Problem zu Grunde liegende Logik nicht verstehen können.

Weil sie, trotz aller Wärme und allen guten Willens den sie Young entgegen bringen, doch immer versuchen ihr Leiden mit ihrer gewöhnlichen Logik zu erfassen und auftretenden Probleme dieser folgend auch brachial lösen. So auch als Young-goon sich fast zu Tode hungert weil sie glaubt, das Essen würde ihr mechanisches Inneres verrosten lassen. Angesichts der Gegensätzlichkeit der von ihr als tödlich empfundenen Gefahr des Verrostens und der von den Ärzten ebenfalls als tödlich diagnostizierten des Verhungerns entbrennt ein scheinbar unlösbarer Konflikt – selbst als sie durch die Nase zwangsernährt werden soll presst Young-goon den Nährschleim mit aller Gewalt zurück in die Schläuche – den schlussendlich Il-Sun löst. Nicht dadurch, dass er Young-goon eine fremde Logik aufzwingt, sondern in dem er eine mit beiden Logiken konforme Lösung findet.

Und das Sozialdrama I m Cyborg, but that s okay zu einem wunderschönen, für westliche Verhältnisse meist schrägen und überdrehten aber in sich traumhaften und unkitischigen Liebesfilm verwandelt. Denn Liebe ist nicht den Anderen zu formen, ihm die eigene Logik und den eigenen Lebensentwurf aufzupressen, sondern ihn so anzunehmen wie er ist, dem Anderen zu folgen wo er nicht anders kann und am Ende sogar bereit zu sein sich selbst aufzugeben.

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