Erziehung geht auch anders.

von Mario

Wer hinter diesem Titel die antiautoritäre Antwort auf die momentan ebenso affekthaft und populistisch wie einseitig geführte Diskussion über die Einführung von Bootcamps vermutete, wird enttäuscht sein. Den Protagonisten dieser Diskussion, einer Diskussion bei der man nicht mehr so recht weiß ob man einige der Kommentatoren als am rechten Rand Restwähler sammelnde Demagogen verurteilen oder wegen ausgeprägten rechts-konservativen Beißreflexen zum Chiropraktiker schicken soll, wird an anderer Stelle bereits genug Platz eingeräumt. Thema dieses Artikels ist die Kritik und ausdrückliche Empfehlung von “Adams Äpfel”, dem Gewinnerfilm des dänischen Filmpreises.

Einem Film über den dänischen Landpfarrer Ivan, der in seiner abgelegenen Gemeinde versucht Ex-Sträflinge zu besseren Menschen zu machen. Also doch ein wenig Bootcamp – nur arbeitet Ivan ohne Boot und ohne Camp, einzig mit dem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen und die Liebe Gottes will er seine Schäflein bekehren. Bei zweien, so glaubt er jedenfalls, dem Tankstellenräuber Khalid und dem Trinker und Triebtäter Gunnar ist ihm dies bereits gelungen, als er sich Adam annimmt, einem überzeugten Neo-Nazi und Anführer einer Schlägertruppe. Zwei Ideologien, zwei Weltsichten donnern hier von Anfang an ineinander, verkeilen sich und verbinden das Schicksal ihrer beider Vertreter unauflöslich in einem erbitterten Kampf. Das unnachgiebige Beharren auf dem Guten im Menschen und der Liebe Gottes zu diesem Guten auf der einen Seite und das sich brutal äußernde, absolute Unverständnis und damit verbundene Ablehnung auf der anderen Seite.

“Adams Äpfel” ist kein schöner Film. Braucht er auch nicht zu sein. Er braucht keine auf Hochglanz polierten und Spezialeffekt schwangeren Bilder um seine Geschichte zu erzählen, die würden nur ablenken von der konsequenten, bewussten Rohheit mit der er erzählt. Rohheit nicht im Sinne eines Blood & Gore B-Movies, roh im Sinne von unverfälscht und ehrlich scheinenden Bildern. Bildern die helfen eine Geschichte zu erzählen, die die einmal aufgegriffen Gedanken und Ideen so konsequent und schwarzhumorig zu Ende führt, dass der Zuschauer nach anfänglicher Verwirrung des Öfteren schluckt bevor er lacht. In Momenten in welchen konsequent alles gezeigt wird was es zu sehen gibt und in Szenen die jedes Motiv ins ironisch absurde ausreizen sind sie die Erdung des Films.

Dabei ist “Adams Äpfel” nicht sinnfrei enthemmt wie das Programm diverser Privatsender nach 23 Uhr. Es werden lediglich Handlungsstränge, Handlungen und ihre Konsequenzen ohne falsche Hemmungen zu Ende geführt. Ein der fundamentalen (sic!) Grundthematik, dem fundamentalen Grundkonflikt des Filmes – Gewalt, Verachtung des Schwächeren, grundlose Ablehnung des Anderen gegen Pazifismus, die Liebe des Schwächeren und grundlose Bejahung des Anderen absolut angemessenes Vorgehen. “Adams Äpfel” erzählt in einem bitterbösen und schwarzhumorigen Film die uralte Geschichte vom Kampf Gut gegen Böse, Gewalt gegen Pazifismus und wie der scheinbar schwächere Kontrahent in der Niederlage siegt. Die andere Wange hinhalten – vielleicht ja doch eine Antwort auf die gerade geführte Debatte, gerade für die Diskutanten deren Partei ein christliches “C” im Namen trägt.

http://www.adams-aepfel.de/

Metadaten:

Einen Kommentar schreiben.



XHTML: Folgende Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>