Die T-Berg-Kultur.

von Mario

2500m. Weite Bergrücken, schroffe Spitzen, karger Fels. Am Horizont wölbt sich grellblau der staubtrockene Frühlingshimmel. Ein wenig Grün, sonst nur zerrissener Restschnee und aufgewühlter Fels. Weißglühend über allem die alles Ungeschützte versengende Sonne. Soweit das Auge reicht die eisernen T’s. Ein breiter, oft leicht schräg dem Berg entgegen geneigter Stahlträger und an dessen Spitze ein Querträger. Über Kilometer, die kleineren meist nur einen Hang entlang, die größeren über Berg und Tal.

Eines der letzten Rätsel der modernen historischen Wissenschaft: der Untergang der T-Berg-Kultur. Der Kultur die das Einsetzen der großen Trockenheit, dem Anstieg der Meeresspiegel und den großen Staubstürmen trotzte. Die die Verwüstung der toten Kontinente und den Untergang der Inseln und Küstenregionen mit- und überlebte nur um 500 Jahre nach diesen Kulturen plötzlich zu verschwinden. Ohne entschlüsselbare Zeugnisse oder Aufzeichnungen über die Umbruchperiode zu hinterlassen. Die Wissenschaftsgemeinde ist sich einig in der Diagnose, dass die im Gletschereis konservierten T-Monumente der Schlüssel zum Verständnis des Selbstverständnisses und damit des Vermächtnisses dieser Kultur darstellen.

Wie dieser Schlüssel allerdings zu deuten und interpretieren ist, darüber streiten zwei der bedeutendsten Wissenschaftler dieser Zeit. Die Theorieschule um Lä. ph. Sterner erklärt die Existenz der T-Monumente soziologisch mit der Theorie der apokalyptikalen Rekursion: Demzufolge rekurrierte die T-Berg-Kultur angesichts der um sie herum geschehenden apokalyptischen Ereignisse, auf ihre eben solche am Weltende vorhersagende, religiösen Traditionen. Lä. ph. Sterner stellt dieser Phase eine Periode relativen Atheismus und Laizismus voran, die den fanatischen Eifer der Erbauer der T-Monumente aus der Radikalität dieser “Rückkehr zur Religion” plausibel erklären hilft. Die T-Monumente wären demnach auf Wallfahrten in die Berge – nahe dem Himmel, dem Sitz Gottes – errichtet worden um um Wasser und Schutz vor Lawinen, Staubstürmen und Überflutungen zu bitten. Einige exotische Theorie wollen in ihnen sogar Monumente für die Verehrung von einzelnen Naturgottheiten sehen, dieser These widerspricht Lä. ph. Sterner jedoch mit dem Hinweis der Ähnlichkeit der T zum Kreuz als Symbol einer der religiösen Strömungen der Umbruchzeit.

Eine gänzlich säkulare Erklärung liefert hingegen Lä. lä. ph. Locher: Er verweist auf ausgeklügelte Wasserleitsysteme nahe der Träger und Überreste von Maschinen die er als Wasserzerstäuber deutet. Diese dienten seiner Meinung nach zur Produktion von Schnee- und Eisflächen in gigantischen Ausmaßen. Die T-Berg-Kultur hoffte demnach nicht auf Rettung aus dem Rückgriff auf alte Gottheiten sondern erkannte vielmehr die Aussichtslosigkeit der eigenen Lage. Konfrontiert mit dem eigenen Untergang und möglicherweise auch allen Lebens auf dem Planeten bewies diese Kultur bemerkenswerte Weitsicht: die um die T-Träger gefundenen Anlagen dienten der Beschleunigung der Vergletscherung der Berge. In und unter dem Eis sollte Biomasse und genetisches Grundmaterial konserviert werden um in ferner Zukunft wieder Leben auf dem Planeten zu ermöglichen. Die T-Träger reduziert Lä. lä. ph. Locher vom Kultgegenstand zu schlichten Markierungs- und Beobachtungsplattformen. Und stilisiert die T-Träger-Kultur zu selbstlosen Rettern des Lebens.

Beide Theorien berufen sich auf klare Belege, deren Deutung und damit die Plausibilität einer der beiden Theorien wird sich wohl erst klären lassen, wenn weitere Teile des ewigen Eises abgeschmolzen wurden und neue Fundgegenstände bereits Gefundenes in ein neues Licht rücken. So wie das erste kürzlich entdeckte Monument T – 10 d345: An den Enden des Querträgers fanden sich hier Rollen und Drahtreste, die möglicherweise einmal ein Seil bildeten. Vor vorschnellen Interpretationen dieses Fundes – wie durch den Hobbyarchäologen Carl S. Wampenkant soll an dieser Stelle allerdings gewarnt werden. Die These eines Transportsystems für irgendwie geartete Vergnügungssportarten entbehrt jeder Grundlage. Wesentlich plausibler erscheint hier eine kultische Deutung der Rollen-Seilkonstruktion nach Lä. ph. Sterner oder eine rein mechanisch sichernde nach Lä. lä. ph. Locher.

Bild: Jill Peate Hall veröffentlicht unter creative commons Lizenz.

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