Neidweihnacht.

von Christoph

Eigentlich sollte hier eine Geschichte zu Weihnachten in Deutschland stehen. Sicherlich wären darin auch die üblichen Wörter wie Konsumweihnacht, Fest der Liebe und Feier der Geburt Christus vorkommen. Aber beim Lesen eines Artikels der Süddeutschen Zeitung habe ich beschlossen, dieses Thema heute sein zu lassen.

Der Präsident des BDI, Jürgen Thumann, wehrt sich gegen die Forderungen nach geringeren Managergehältern aus der Politik: „Vergesst nicht, welcher Gaul den Karren zieht“ – und fordert, da die Unternehmen ja derzeit Stellen schaffen würden, auch den Managern ihre hohen Einkommen zu gönnen. Doch, wenn man das, was hier gefordert wird, weiterdenkt, so wäre eine im Falle von Massenentlassungen natürlich eine Rückzahlung der hohen Gehälter im selben Umfange nötig, denn offensichtlich hat die Unternehmensführung ja schlecht gearbeitet – oder etwa nicht? Aus Sicht der institutionellen Anleger hat der Manager aber dann doch gut gearbeitet: Kosten gesenkt, langfristige Finanzmittelbindungen verringert. Augenscheinlich hat ein Top-Manager also immer gut zu verdienen, Fälle, in denen er eindeutig scheitert, gibt es wenige. Wenn ein Aufsichtsrat einem Unternehmensführer also kündigen muss, dann kann dies also nicht daran liegen, dass er nicht gut genug gearbeitet hätte (die Existenz dieses Phänomens haben wir ja soeben ausgeschlossen), sondern nur daran, dass er „die an ihn gerichteten Erwartungen nicht vollumfänglich erfüllen konnte“. Ach so. Hätte der Mann oder die Frau (eher selten) mal besser was anderes gemacht! So wird das nie was mit dem Managerdasein: die haben da alle das Sieger-Gen. Also: Geschasste Top-Führungskräfte sind eigentlich gar keine Führungskräfte, sondern sind nur aus Versehen in diese Position gekommen. Wahre Managertypen scheitern nie.

Aber nun – sie verdienen also das Geld, das ihnen sowieso aufgrund ihrer Anlagen als Manager zusteht, und dann werden die Armen auch noch beneidet. Kein leichter Job: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 52 Wochen im Jahr denkt man nur an die Firma, kommt gar nicht dazu, die 4,6 Millionen Euro, die beispielsweise der Chef im Monat (!) bei Porsche überwiesen bekommt, auch nur ansatzweise auszugeben und dann wird man auch noch um dieses Hundeleben beneidet. Da muss man doch mal die ganzen anderen im Land auf diese „Neid-Debatte“ hinweisen, diese himmelschreiende Ungerechtigkeit. Wer würde denn schon gerne diese Verantwortung tragen? Das muss doch angemessen honoriert werden! Übertreiben bringt dennoch nichts, sie haben das Geld sicherlich verdient: Wenn es nicht anders geht, dann müssen sie ja auch vor die versammelte Presse treten und dort zugeben, dass es leider dieses Jahr nicht so gut laufe, na ja, strukturelle Veränderungen, gesamtwirtschaftliche Lage, Weltwirtschaft und der teure Dollar. Sie wissen schon.

Also – wir wollen ja keine neue Neiddebatte –wünschen wir allen Leserinnen und Lesern ein frohes Fest, auf dass ein nagelneuer Porsche unter dem Weihnachtsbaum steht, die goldene Kreditkarte noch ein Weilchen ohne Abnutzungserscheinung durch den Leser flutscht und wenn das alles im Moment – auf Grund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage – nicht so läuft, dann sei an dieser Stelle der Hinweis erlaubt: Christus wurde in einem Stall geboren. Und ob man in 2000 Jahren noch von Ackermann, Wiedeking und Konsorten sprechen wird, das darf getrost bezweifelt werden. Wahrer Ruhm ist einfach nicht käuflich und gute Ideen sind unbezahlbar.

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