Folge mir.

von Mario

Einem Gespräch zuhören, mit Menschen die nicht ganz im Mainstream verschwinden, die eine Haltung haben und über die Dinge nachdenken die sie tun oder nicht. 16:4 Ultraweitbild – ein, zwei, drei Bilder, Perspektiven und Ausschnitte passen so nebeneinander, zwischen die ruhigen schwarzen Balken. Ein Interview versucht nicht nur Gesagtes wiederzugeben, es will Persönlichkeiten und Standpunkte festhalten und einfangen, das gelingt durch diese Multiperspektivität in nachdrücklicher Weise. Das FOLGE Magazin portraitiert bisher keine Aktivisten, keine politisch Ambitionierten oder Aktiven. Und doch geht es in den Interviews um fundamental politisches, um die Haltung mit der man sich im Leben bewegt und der Gemeinschaft gegenüber verhält. Um Werte und den Umgang mit vom Mainstream gesetzten Wahrheiten und Dogmen, den eigenen Weg. Fünfzehn Minuten lang spricht und schweigt der Interviewte, Fragen tauchen nur als Einblendung auf, der Fragende hält sich absolut zurück und lässt seinem Protagonisten wunderbar viel Raum. Nicht um sich zu inszenieren, es sind keine narzisstischen Selbstdarsteller die schon wieder sich oder etwas verkaufen wollen. Die Menschen die hier vor der Kamera sitzen, stehen und gehen, bei ihrer Arbeit und in ihrem Leben gezeigt und manchmal wie nebenbei interviewt werden, geben sich angenehm bescheiden und zurückhaltend. Hier muss niemand wild durchs Bild hüpfen und brüllen um aufzufallen, es reicht das Gesagte.


Klaus Fiehe, Radiomoderator – Screenshot mit freundlicher Genehmigung des FOLGE magazins

Ein angenehm, nachdenkliches Format. Internetfernsehen wie es sich die Großen vorstellen sieht anders aus. Aber das Schöne an diesem Internet ist, dass jeder mitmachen kann. Und seinen Weg gehen, und dafür Applaus ernten. Dafür wie Otto Pfeiffer, ein die norddeutsche mit der japanischen Küche mischender Koch, über Essen und traditionelle Küche als Möglichkeit sich in einer Region zu verorten spricht. Die Schwierigkeit, in einem in globalen Warenströmen ersaufenden Berlin noch den dort traditionell gegessenen Grünkohl zu bekommen. Und sich die Zeit zu nehmen für sich zu kochen. Der Schauspieler Axel Prahl der darüber spricht wie sein unerfüllter Berufswunsch Musiker sich zu einem Rückzugsort, einer Ruheoase vom ergriffenen Beruf des Schauspielers entwickelt hat. Mario Lombardo, Ex- Grafikchef der SPEX, von seinem Leben jenseits und nach dem Kommerz erzählt. Und magazintechnische Einfalt und verlegerische Feigheit in Deutschland anmerkt. Oder Klaus Fiehe, Radiomoderator bei 1LIVE über seine englische Seele, Unterklassefussball und den Verzicht auf Genrevokabeln im Musikjournalismus. Immer zurückhaltend, den Worten und den Gedanken Raum gebend. Man könnte noch auf die Musik im Hintergrund verzichten, ein zwei hektische Schnitte sein lassen. Sonst ist es gut. Wie hier Menschen portraitiert werden, die ihren Weg gehen, die Welt nicht zum Paradies machen, aber ihr mit einer gewissen Haltung begegnen. Und sie so vielleicht minimal verändern.


Otto Pfeiffer, Koch – Screenshot mit freundlicher Genehmigung des folge magazins

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