Down Under

von Christoph

Folgender Artikel fällt ein wenig aus dem üblichen Rahmen von fallen-legen. Das ist so intendiert. Denn eines der Ziele unseres Projektes ist der Positionswechsel, der ungewohnte Aspekt. Und um das zu erreichen, ist es bisweilen hilfreich, einmal etwas zu schreiben, was eigentlich gar nicht zum Konzept passt. Kritik, sowohl an diesem Konzept als auch am Artikel ist daher nicht nur erwünscht, sondern würde den Autor persönlich auch sehr freuen.

Das Zentrum der Welt wandert. Die politisch und kulturell einflussreichste Region der Welt hat sich wiederholt in verschiedenen Zeiträumen verändert. Das antike Karthago, Rom, das Versailles Ludwigs XIV, Washington in der heutigen Zeit. Auch wenn jedes dieser Machtzentren während seiner Hochzeit viel dafür unternommen hat, seine Rolle zu sichern so ist dies bisher nie gelungen. Eine wesentliche Rolle spielen daher auch Überlegungen, welche Gegend der Welt in Zukunft tragend sein wird.

In den letzten Jahren wurde diese Boom-Rolle China zugeschrieben. Die Macht im Osten sorgt mit scheinbar unendlichen Wachstumsraten, Stützkäufen für den US-Dollar und der am schnellsten Wachsenden Umweltzerstörung der Welt für Schlagzeilen. Doch scheint sich diese Entwicklung derzeit abzuschwächen: Übereinstimmend mehren sich die Medienberichte, dass deutsche Unternehmen zwar notgedrungen aufgrund des niedrigen Lohnniveaus in China produzieren, eine engere Zusammenarbeit mit der dortigen Wirtschaft aber ablehnen. Wenngleich auch die Gründe nicht genauer genannt werden, aber so scheint es doch so zu sein, dass viele den geringen Schutz geistigen Eigentums eher kritisch sehen und die Kulturbarrieren Verhandlungen sehr erschweren.

Dagegen erhebt sich derzeit ein anderer schlafender Riese: Indien. Das Land, das als Mitglied des Commonwealth viele westliche Einflüsse hat, englischsprachig ist und schon schlagwortartig für neue Technologien steht („Green Card für Inder nach Deutschland“) hat derzeit viel Potential – wenngleich auch die Frage gestellt werden muss, ob uns die Inder dazu benötigen. Für die westliche Welt scheint eine Zusammenarbeit mit Indien daher deutlich greifbarer und einfacher als mit China.

Eine wesentliche Rolle spielt aber mit dem Erstarken der indischen Wirtschaft die auf der Südhalbkugel der Erde gelegenen Länder: Australien – lange Zeit unter dem Makel seiner doch sehr abgelegenen Lage leidend – könnte einen ungeahnten Wirtschaftsboom vor sich haben. Das Land, das als eines der rohstoffreichsten der Welt gilt, könnte zu einem Tor zu Indien und der asiatisch-pazifischen Welt werden. Dafür müsste sich Australien von der starken politischen Bindung an die Vereinigten Staaten abkoppeln, seine Mitgliedschaft im Commonwealth of Nations auszubauen und sich der Stärken bewusst zu werden.

Australiens Rolle in der lokalen Wirtschaftsverflechtung hat aufgrund der unter Premier John Howard stark intensivierten Zusammenarbeit mit der US-Wirtschaft stark gelitten. Insbesondere der vorher florierende Handel mit Malaysia, einem der sog. Pantherstaaten der Region ging stark zurück, da man aufgrund der politischen Ausrichtung Australiens Einbindung in die ostasiatische Wirtschaft vermeiden wollte. Sofern Down Under von einem potentiellen Aufstieg Indiens in die politisch, ökonomisch und kulturell führenden Nationen der Welt profitieren will, so sollte es sich von seiner bisherigen Wirtschaftspolitik verabschieden und sich auf den lokalen Handel in Zeiten von wachsender Globalisierung konzentrieren. Ein sicherlich ungewöhnlicher Schritt in den Zeiten, in denen das Heil der Welt allüberall in wirtschaftlicher Hinsicht in der zunehmenden internationalen Verflechtung gesucht wird. Aber ein Schritt, der auch viel Potential hat. Die Chancen, die sich aus dieser Regionalisierung ergeben, sind groß.

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