Sprachkompetenz

von Christoph

Sprache ist etwas Wunderbares. Eine der wenigen Dinge, wo man sagen kann, die Größe machts. Und Männer den Frauen vorwerfen, sie hätten einen viel zu großen. Wortschatz natürlich.

Sprache wird aber erst dann zu etwas Besonderem, wenn man sie nicht nur als „Verkehrsmittel“ begreift, das eine Nachricht von A nach B bringen und dabei möglichst ökonomisch sein soll und in sich so redundant, dass die Nachricht auch bei schlechtem Verständnis ankommt. Dann ist Sprache zwar praktisch, über die Schönheit lässt sich aber streiten. Dagegen macht die schiere, kaum greifbare Anzahl von Worten einen nicht zu vernachlässigenden Reiz aus: Die Möglichkeit, viele Worte durch Synonyme ersetzten zu können, Dinge verschiedenst benennen zu können, ohne sich dabei zu wiederholen. Die deutsche Sprache bietet nach verschiedenen Hochrechnungen circa 500.000 Worte, mit den zahllosen Kombinationsmöglichkeiten und Lehn- und Fremdwörtern sowie den Dialekten kommen wir auf bis zu vier Millionen Worte. Vier Millionen. Kein noch so eloquenter Politiker oder Journalist – mag er noch so viel mit Sprache zu tun haben – kann das erreichen.

Doch unsere Landessprache scheint im Vergleich zur lingua franca – das Wort ist übrigens irreführend – der modernen Welt, Englisch, geradezu arm an Worten. Der Verlag HarperCollins hat 400 Millionen englische Wörter gezählt. Kein Mensch auf der Welt kann diese unvorstellbare Zahl im passiven Wortschatz bevorraten, eine aktive Verwendung schließt sich schon aus Zeitgründen aus. Sprache ist etwas soziales, sie basiert auf Interaktion.

Da kommt eine Nachricht aus einem Land der 400 Millionen Wörter gerade recht: Forscher haben herausgefunden, dass spezielle Sprachentwicklungs-DVDs für Babys (Achtung, Fremdwort!), also Filme speziell für Kleinkinder im Stile der lautverdummenden Teletubbies zu einem sprachlichen Entwicklungsrückstand führen. Nicht, dass wir nicht schon immer gewusst hätten. Aber Sprache ist eben mehr, als nur „Ao“ und „Poooo“. Jede Stunde vor der Glotze kostet im Durchschnitt acht Wörter. Tagesschausprecher wird man so nicht.

Sprache ist etwas Soziales. Sie basiert auf kultureller Interaktion. Fernsehen, das – wie der Name schon sagt – keine Möglichkeit zur Rückkopplung bietet, ist daher kein Ersatz für den bewussten Umgang mit Worten. Nur wer ein großes Wortfeld kennen lernen darf, kann es aktiv für sich erschließen.

Lesen lernen mit Hörbüchern ist auch ein Ding der Unmöglichkeit.

Danke an heise online für diesen wunderbaren Denkanstoß: http://www.heise.de/newsticker/meldung/94071

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