Sommernachtstraum

von Christoph

Sie saßen noch zu zweit in der Dunkelheit. Umgeben von warmer Luft, auf dem Tisch zwei halbvolle Gläser Rotwein, die Flasche daneben war leer. Sie saßen da und schwiegen, irgendwie war alles gesagt und er fühlte sich leer. In seinem Kopf suchte er nach einem Thema, das er hätten anschneiden können, etwas, was die Stille beendet hätte. Man musste sich doch etwas zu sagen haben. Irgendetwas um diesen hilflosen, luftleeren Moment zu beenden. Irgendetwas, was die Kommunikation am Leben hielt. Doch er fand nichts. Und mit ihr über das Wetter zu reden, das war dann doch etwas zu trivial. Sie waren schon so lange zusammen. Und nun sprachlos. Was schon lange falsch war, zeigte sich nun ganz offensichtlich. Sie hatten sich nichts mehr zu sagen. Ein klarer Moment.

Er fühlte sich hilflos. Irgendetwas fehlte. Er wusste nicht was und fragte sich, ob er nicht insgeheim von der Kraft des Stillen Angst hatte. Das er redete, um nicht schweigen zu müssen. Sprach, um den Wall des Schweigens gar nicht erst entstehen zu lassen. Redete, um sich nicht anderweitig beweisen zu müssen. Der Gedanke war neu und berührte ihn. Sich selbst so zu erfahren war ihm neu. Der Gedanke ergriff so von ihm Besitz, dass er nichts mehr wahrnahm. Auf sich selbst fokussiert, in der Erkenntnis versunken. Sah nicht die Blicke, mit denen sie ihn musterte. Betrachtete sich selbst und war fasziniert von seiner eigenen Gedankenkraft. Eine Wahrheit. Er redete, um seine Stärke zu zeigen und seine Schwäche nicht offenbaren zu müssen.

Sie öffnete den Mund. Und schloss ihn wieder. Er nahm es nicht war. Über ihre Wangen liefen Tränen, sie schluckte und saß in der Dunkelheit. Sie hatten sich nichts mehr zu sagen. Was sie schon lange gespürt hatte, was sie sich selbst nicht eingestehen wollte und auf seine Art geschoben hatte, das wurde ihr jetzt so klar. Ihre dauernde Unzufriedenheit. Es war ein anderer Mann, den sie geliebt hatte. Ein andere Beziehung, die mal die ihre gewesen war. Vom Kinn tropfte eine Salzträne auf ihr Kleid und sie bemerkte es nicht. Sprachlos. Ein Moment der Erkenntnis, der so schmerzhaft ist. Sie begriff viel zu viel auf einmal und wollte es nicht.

Dann fingen sie beide im selben Moment an zu sprechen.

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