Zur Lage des Atoms

von Mario

Klimakatastrophe. In sämtlichen Blättern von B wie BILD bis Z wie ZEIT, DIE donnerten Monsterwellen über das norddeutsche Tiefland und versengte die globale Erwärmung die deutschen Lieblingsferiengebiete von Rom bis Madrid. Diverse Forscher kamen zu Wort, New Orleans und Niederbayern gingen unter und schließlich brachte Al Gore das Klima sogar ins Kino. Die Medien waren sich weitestgehend einig, dass wir den Karren an die Wand gefahren hätten und uns schon mal auf eine Asylwelle aus Holland, Belgien und den Fidschiinseln gefasst machen könnten.

Klimadebatte. Wie unter Verweis auf Herrn Gore schon angedeutet, wurde das Weltklima relativ spontan das Thema der Stunde. Allerdings begannen sich die Prognosen schnell zu diversifizieren, sie reichen von es wird saukalt bis sauwarm und von staubtrocken bis verdammt feucht, diverse Mischprognosen eingeschlossen. Gemeinsam war der ganzen Chose eigentlich nur, dass es katastrophal werden sollte. Im Auge des öffentlichen Paniksturmes entdeckten auch die Konzerne ihren dollargrünen Daumen. Unter anderem die Gutmenschen von BP, Shell und Vattenfall schalteten ganzseitige Anzeigen. Mit plötzlich sanft grünen und kraftvoll blauen Logos und natürlichen Statements.

Energiedebatte. Einerseits die logische Folge der Klimadebatte, andererseits auch Produkt der öffentlich eingestandenen Erkenntnis führender Energiekonzerne, dass Öl, Gas und Kohle endlich sind. Plötzlich waren sie sich wieder einig, die Klimaschützer vor und die hinter den Kraftwerkstoren. Beide proklamierten, dass Öl, Gas und Kohle nur noch kurz- bis mittelfristig als primäre Energieträger verfügbar sein würden. Bei der Suche nach adäquaten Nachfolgerenergieträgern gingen die Meinungen dann schon wieder auseinander. Während die einen für den Wiedereinstieg in die “saubere” Atomkraft plädieren, setzen die anderen weiterhin auf den Traum von der regenerativen Energieversorgung.

Beide Visionen haben wohl die eine oder andere Macke, der Traum vom über Millionen Jahre (die jüngere Menschheitsgeschichte umfasst grob 10 000 Jahre, sic!) sicheren Endlager für Strahlungsabfälle wird gerade durch die nach nicht einmal 25 Jahren absaufenden Testlager in Asse ad absurdum geführt. Gleichzeitig führt die Produktion von Biosprit zu einem, für Entwicklungsländer, massiven Anstieg der Lebensmittelpreise und damit wohl auch der Weg von den grünen Feldern in den grünen Tank in eine Sackgasse. Das Problem beider Lösungsansätze ist auch das Problem der gesamten Debatte: Es geht nicht primär darum durch knallharte (Selbst-)Beschränkung den Energieverbrauch zu reduzieren.

Es geht in der auf den CO2 Ausstoß fixierten Energie- und Klimadebatte fast ausschließlich darum Substitute für die “dreckigen” Energieträger Öl, Kohle und Gas zu finden. Wie ein Drogenjunkie versuchen wir einen aberwitzigen Energieverbrauchs- und damit Lebensstandard zu halten. Und wären sogar bereit, das Öl-, Kohle-, Gasmethadon wieder durch das hocheffiziente Plutoniumheroin mit den bekannten Langezeitfolgen zu ersetzen, nur um weiter billigen Strom aus der Steckdose zu erhalten. Statt über das Verbot von Standby, das alleine in Deutschland 2 AKWs frisst, zu reden, versucht man den Menschen den Wiedereinstieg in die Atomenergie schmackhaft zu machen. Und statt den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, rüsten wir 3-Tonnen-Panzer mit Biosprit- und Erdgastanks aus.

Nachhaltig, ja?

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