Wodkaweißchen und Rotweinrot

von Mario

2 Fenster, rot auf weißem Grund

Wodkaweißchen und Rotweinrot,

leben in einer wochentags leerstehende Diskothek in der bayrischen Provinz. Tagsüber schlafen sie meist oder sitzen in den einsamen Jacuzzis im Hotel zur Post. Manchmal zeigen sie dem Kare nachmittags auch ihre Brüste, dann dürfen sie in sein Solarium. Und abends, wenn die Sonne hinter Aldi versinkt, die Bauern vom Bolzen kommen und die Feldwege hochklappen, häkeln sie Tangas und stricken Büstenhalter die ihre Kurven wohl zur Geltung bringen.

Bis zum Wochenende. Ein 50 000 Watt Scheinwerfer, von früher, schwenkt über den dörflichen Himmel, preist Jackie Cola und Goaßn Maß, röstet einen Schwarm Zugvögel und veranlaßt eine Boing zum verfrühten Sinkflug, München ist weit. Aus der Schwüle des Spätsommerabends drängen Wodka Bull gepushte Stiere, Baggersee gebräunt und Wehrgruppen gestählt mit engen Jeans, dicken – und breitem Nacken in die bebende Halle. Tribaltätowierte Bizepse schleudern verächtlich Geldklammern hinter den Tresen und stemmen Sektflaschen in Eiswürfelkübeln. Die sind nicht nur dekadent sondern auch praktisch, man kann sie sich in allerlei Öffnungen schieben, die Würfel. Nach und nach kommen die Rehlein, blonde braunverbrannte und schwarze leichengebleichte, kunstvollgespachtelte und schon von der Flasche davor verwüstete. Mit und ohne verheißungsvolle Röcke und fleischesprall gepushte Oberteile. Man bittet zum Tanz, Sektschaum vor den Mündern. Ekstatisch zuckend schütteln Körper Schweißperlen in den Raum. Die dumpfe Vibration des Basses in den Körpern drängen sie und drängen sie, dichter. Beine, Arme, Hände überall, suchend Zungen, Zähne und auch Fäuste im schweißnassen Gewühl. Blutende Nasen stopft man mit Koks. Majästetisch langsam, weiß und fein zerstäubt es im gelblichen Scheinwerferlicht. Verharrt im Lichtschein, von unsichtbarer Scheinwerferthermik sanft in der Schwebe gehalten. Eine Hand, stößt und greift ekstatisch aus der wiegenden Menge – ins Leere. Wird – zurückgerissen – Koks folgt ihr in feinen Wirbeln. Wie Sand in Bröseln an den nackten, nassen Körpern klebend. Bis es von kühl prickelndem Sekt weggespült wird.

Wenn die letzten Gäste draußen zusammen brechen und die brutal zernarbten Türsteher die Pillen und zerbrochenen Maßkrüge aufkehren. Wenn die Jugen im wärmenden Morgensonnenschein auf den Landstraßen der Provinz ihrem Baum entgegen rauschen und die Alten im kühlen Nebel zur Dorfkirche wanken um für sie zu beten. Werden die beiden langsam müde.

Noch einen Zug, noch einen Schluck, noch eine Line, sie legen sich in ihren gläsnern Sarg und schlafen ein.

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