Schwedische Gardinen: Tidning

von Christoph

“Wie einigen von Ihnen bekannt sein d�rfte war Staffan Hagtorp ein wichtiger Mitarbeiter der staatlichen Kontrollbeh�rde f�r Radio und Fernsehen. Herr Hagtorp befand sich vermutlich zu Erholungszwecken auf Ut�. Zu den genauen Todesumst�nden k�nnen wir momentan leider keine genauen Angaben machen, aber es scheint wahrscheinlich, dass aktive Fremdbeteiligung in Form eines schweren metallischen Gegenstandes im Spiel zu sein schien.” Rinnthanen runzelte die Stirn. Konnte ein Mensch wahrhaftig unabsichtlich so taktlos sein? Auch wenn man nicht unbedingt seinen eigenen hohen Grad an Professionalit�t erwarten konnte… Rinnthanen besann sich wieder auf seinen mitf�hlenden, aber markant ernsthaften Gesichtsausdruck, in Ehren des Toten, und – der Kameras, riskierte jedoch einen Blick seitw�rts auf die starre Sprecherin. Keine auch noch so leichte Reaktion die einer Wahrnehmung dieses faux-pas kundtun w�rde, keine Muskelanspannungen, keine erh�hte Schwei�produktion. Kein Hirn? Diese kleinen Patzer warfen n�mlich auf niemanden ein besonders gutes Licht.

“Die Ermittlungen in diesem Fall sind bereits angelaufen.” Ach tats�chlich? Ein Ermittler war
bereits vollgelaufen. Z�hlte das? “Sie werden geleitet von einem eigens einberufenen Sonderkommando unter der Direktion der Herrn Kommissare Erik Rinnthanen und Gunnar Andersson” – sie deutete auf das verhalten wirkende Duo – “zwei bew�hrte Spezialisten auf diesem Gebiet.”

Das leise Schnauben Anderssons ging im halbherzigen, kleinen Blitzhagel der diesen Worten folgte fast unmerkbar unter. Bew�hrte Spezialisten. So. Nun, dieses Mal hatte man sie ja sogar namentlich erw�hnt. Und dieses zaghafte zur Schau stellen f�r die Presse. Trotzdem �nderte es nichts daran, dass die gesamte Vorstellung l�cherlich war. Der Fall geh�rte eindeutig den Kollegen vor Ort, und nicht zwei Dorfpolizisten aus einem anderen Bundesland. Aber da war mehr. Gewisse Interessen. Politische Interessen. Ja davon konnte er ein Lied singen. Das hie�, das manche Leute den Job nicht machen durften und das andere ihn nicht machen wollten. Es hie� das irgendwas faul war an der Sache. Es hie� dass Andersson das machen musste. Das war schon immer so gewesen. Schon in der Schulzeit so. Das macht dir doch nichts aus, Andersson? Hol doch den Ball zur�ck aus dem Haus von Herrn Svengard, Andersson! Er wird bestimmt nicht b�se sein! Sein Rottweiler auch nicht! Diese Scheinheiligkeit. Andersson hasst es. Und der Sch�del brummte noch. Er brauchte seinen Kaffee.

Rinnthanen betrachtete mit resigniertem Schrecken wie Anderssons Augen langsam in ihrer Fassung hin und her wankten und sich verdrehten. War es ob der von der Pressesprecherin pr�sentierten dummdreisten L�gen gegen die sich sein alkoholgetr�nktes Unterbewusstsein str�ubte? Wohl wissend, dass Rinnthanen ihm vor einer knappen halben Stunde mit der Geduld einer Destillierapperatur noch ganz andere Fakten, Wort f�r Wort, Tropfen f�r Tropfen referiert hatte. Oder versuchte er einfach nur das vor ihm stehende Glas Leitungswasser Kraft seiner Gedanken in Hochprozentiges zu verwandeln? Apfelschnaps, ja Andersson w�rde sogar aus diesem faulen Apfel noch Apfelschnaps brennen. Denn, dass dieser Apfel faul war stand au�er Frage, das war bei Mord nicht anders zu erwarten – aber das der gesamte Baum durch und durch morsch war, wie Rinnthanen langsam schwante, st�rte seine schwedische Postkartenidylle doch nicht unerheblich. Und dass Fr�ulein Pressesprecherin nicht unbedingt in der Lage zu sein schien zu verhindern, dass die Pressemeute kr�ftig dagegen treten w�rde. Das Auge der Gedanken sah schon das gesamte wackelige Potemkische Dorf einst�rzen. Die erste Wortmeldung sollte aber selbst f�r Rinnthanen noch �berraschender, und wom�glich schlimmer, sein als er es je f�r m�glich gehalten h�tte.

“K�nnen Sie die Informationen unserer Zeitung best�tigen, wonach ein oder mehrere Parlamentsmitglieder am Fund der Leiche von Staffan Hagtorp beteiligt waren?” Eine wie elektrisch geladenen Stille trat �ber die kleine Meute ein. S�mtlich Augen fixierten das Gesicht der Poliziesprecherin. Dieses wurde zun�chst rosa, dann ein unnat�rliches purpurrot w�hrend ihr Mundwerk in leiser Auf- und Abbewegung nach Worten rang. “Das ist nicht wahr! Diese Abgeordneten konnten gar nicht vor Ort gewesen sein! Sie sol- waren n�mlich zur fraglichen Zeit in einem Parlamentsausschuss sitzen!”

Sie war nun den Tr�nen nahe. “Keinen weiteren Kommentar!” Ein weiterer Hagel von Kamerablitzen stachen ihr in den R�cken als die aufgebrachte Polizeihauptmeisterin wutentflammt die B�hne verlie�. Rinnthanen war nun endg�ltig perplex. Was ging hier eigentlich vor? Und warum war es seinerzeit nicht auch so einfach gewesen, die Akademiepr�fung zu bestehen?

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