Reiselust

von Christoph

Eindeutig ist Reisen eine besondere Art zu entspannen. Man verändert dabei nicht nur den Blick auf sich selbst, sondern vielleicht auch auf die Gesellschaft, in der man lebt. Und so manches, was einem in den Wochen und Monaten vor der Abreise noch sehr drängend und wichtig erschien, kann sich nach der Rückkehr als unbedeutend erweisen.

Nach drei Wochen Australien bin ich nun wieder in Deutschland. Wenn ich die Zeitung aufschlage, könnte ich genauso gut das Exemplar aus dem Dezember 2007 zur Hand nehmen: Ob nun Aktienkrise, Rauchverbot oder andere Themen – so richtig geändert hat sich in der öffentlichen Diskussion (wenn man annimmt, eine Zeitung spiegele dies wider) wohl wenig. Warum sollte es auch – wir beschäftigen uns zufrieden mit den kleinen Fragen, auf die wir problemfrei Antworten finden können, die wir uns erklären können oder auf die wir, zumindestens in der Theorie, die perfekten Lösungen schon haben: Eine bevorstehende Krise der Wirtschaft kann man durch niedrige Hauptrefinanzierungssätze und gesteigerte Staatsausgaben abwenden. Zumindest in der Theorie wissen wir also, wie es weitergehen wird. Und außerdem ist Amerika doch sehr weit weg.

Und so stilisieren wir unsere lösbaren Probleme hoch, um die unlösbaren nicht in Angriff nehmen zu müssen. Unlösbar auch nur zum jetzigen Zeitpunkt – Ideen, mit denen man sich nicht beschäftigt, neigen selten dazu, sich zu manifestieren. Es ist bequemer, das Rauchverbot zum Ende des Freistaates Bayern zu machen und dann trickreiche Lösungen zu ersinnen. Dieses ungerechtfertige Zuerkennen von Wichtigkeit geht einher mit einer stark übersteigerten Wahrnehmung, solche Probleme für sehr ernst zu nehmen. Dabei geht die Welt nun wirklich nicht unter, wenn in Deutschland in Bussen, Bahnen und Gaststätten nicht mehr geraucht werden darf. Eher schon, weil durch die globale Erwärmung der Mensch auf dem besten Wege ist, sich selbst von der Erdoberfläche zu tilgen. Die Frage nach der Existenz eines Gottes, der uns vor solchem Missgeschick bewahrt, die können wir uns nicht mehr stellen – eingenebelt in Raucherproblemen wissen wir nicht, wo wir ihn finden könnten.

Und während wir diese kleinen Probleme zu ernst nehmen und verbissen mit harten Bandagen um eigentliche Nichtigkeiten kämpfen, verlieren wir das große Ganze aus den Augen. Daher zur Faschingszeit ein närrischer Aufruf: Lasst doch die kleinen Probleme und Sorgen sein – mehr als klein Denken ist manchmal schwierig und immer eine Herausforderung. Aber es ist es wert.

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