Mein Führer

von Mario

Schon einmal machte Deutschland schlechte Erfahrungen mit fremden Führern. Nun hat es den Österreicher wieder.

Helge Schneider als Adolf Hitler in

In Film und bald wohl auch im Fernsehen dufte er geradezu inflationär in die Kamera zischen und zetern. Nach einer langen Phase in der die Rekonstruktion deutscher Geschichte und deutscher Schuld vor allem mit Hilfe von Zeitzeugen und grobkörnigem Archivmaterial in ARD und ZDF und nach 22 Uhr geschah ergoß sich in den letzten Jahren ein geradezu eruptiver Schwall der versuchten Vergangenheitsbewältigung durch die deutsche Kino- und parallel durch die deutsche Medienlandschaft. Die unglaublichen Schrecken eines unglaublichen Regimes wurden in vielen Details und Aspekten behandelt, die brutale, aggressive, auf Perfektion gedrillte Ideologie und ihre Vernichtungsmaschinerie authentisch portraitiert. Nur eines ist dabei nicht gelungen, zu zeigen, dass dieses System in sich selbst zutiefst widersprüchlich, absurd, grotesk, ja, lächerlich war. Die Ehrfurcht vor der Thematik und vor den Opfern durchzieht diese Filme und wirkt sich, ungewollt, auf die Weise aus in der die Täter gezeigt werden. In Bildern und Rollen in denen sie sich vielleicht manchmal selbst gefallen hätten.

Helge Schneider als Adolf Hitler in

Die richtige und erforderliche Ehrfurcht vor den Opfern war es, die leider auch verhinderte, dass im deutschen Kino nur daran gedacht wurde das Regime in einer Komödie in seiner ganzen Lächerlichkeit zu entlarven. Dani Levy ist angetreten dies zu ändern, Hitler und sein Regime aus diesem unverdienten Reservat zu zerren und sie als Menschen zu zeigen. Als schwache, als fehlerhafte Menschen – eine Karikatur ihres eigenen Anspruchs an den “arischen Übermenschen”. Er zeigt das Regime gefangen in seiner eigenen Ideologie, seinen “deutschen” Tugenden und versucht es in den daraus resultierenden grotesken, absurden und lächerlichen Szenen zu demontieren, zu entlarven. Das gelingt ihm nur teilweise, wie ihm auch die Gratwanderung der Komödie zwischen Entlarvung und Verharmlosung nicht immer gelingt. Er geht zu weit und nicht weit genug. Das Portrait Hitlers, der Versuch ihn als den gewöhnlichen fehlerhaften Menschen zu zeigen, der er war schießt übers Ziel hinaus, denn wie Adolf Grünbaum hat auch der Zuschauer am Ende des Films Mitleid mit dem armen Hitler. Der als Kind so oft geschlagen wurde und nun der Spielball der Interessen der bösen Strippenzieher Goebbels und Himmler ist. Hitler, als unschuldiges Kind? Eingesperrt in seinem goldenen Käfig, der nichts weiß von dem was geschieht? Fast so wie es das Volk später behaupten wird? Nein, lieber Herr Levy da schießen sie über ihr Ziel hinaus. Doch gleichzeit gelingt es dem Film in vielen kleinen Szenen die innere Unlogik, die Groteske und das Absurde des Naziregimes trefflich zu karikieren. Vielleicht hätte eine leichte Verschiebung des Schwerpunktes in diese Richtung das Gewicht des Hitlerportraits verringert, aber eben auch verhindert, dass es so über das Ziel hinausschießt.

Helge Schneider als Adolf Hitler in

Trotzdem: Gehen Sie ins Kino, bilden Sie sich ihre eigene Meinung – denken Sie darüber nach.

Offizielle SeiteKommentar von Dani Levy zur Diskussion über den Film

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