Schwedische Gardinen: Två

von Flo

Im zweiten Stock des Polizeirevieres von Eskilstuna angelangt, beginnen sich allmorgendlich Umgebung und Inneres Rinnthanens in Einklang zu begeben - die Vernehmungsräume und die Dienststuben der unteren Beamten hinter sich gelassen, breitet sich in beiden Ruhe, geschäftige, zielgerichtete Ruhe aus. Rinnthanen lauscht dann auf seine Schritte auf dem dünnen Teppich, beobachtet, wie ihn im Scheine der Neonröhren immer wieder sein eigener Schatten überholt und verschwindet – 48 Schritte und 7 Röhren sind es; aus Raum 2.41 dringt das sonore Brummen der Server, die gerade jetzt das Verbrechen kartographieren und abrufbar machen, aus 2.43 das wortlose Tippen der Kollegen Gustavsson und Hallberg, die einen Bericht über einen jüngst aufgeklärten Fall verfassen – Immer wieder ist er fasziniert, wie in diesem Stockwerk gleichmäßig und zuverlässig die Gerechtigkeit an der Verwaltung der Welt arbeitet.

Am Ende des Ganges erreicht er auch heute Raum 2.50 wie immer mit einem letzen halben Schritt. Neonlicht flutet in das Zimmer, das bisher nur durch fahlblaues Morgenlicht erhellt wurde. Ein Schwall alkoholhaltiger Luft umhüllt Rinnthanen mit einem Mal. Er kommt nicht umhin, eine Mischung aus Überraschung und leichter Abscheu um seine Mundwinkel zucken zu lassen – dann hat er sich wieder unter Kontrolle. Sein Blick ruht auf seinem Kollegen Andersson… Ein paar Sekunden weiß er nichts zu sagen, dann kehrt auch das Sprechen zurück. “Guten Morgen Andersson.” hört er sich sagen. Es klingt tonlos und selbst für die herrschende Stille ein wenig zu leise. Dann er macht er sich, den Atem für die nächsten Meter anhaltend, auf den Weg zu seinem Schreibtisch, von dem ihm ein makellos weißes Dossier entgegenleuchtet. Andersson hatte es offensichtlich noch nicht beachtet, stellt Rinnthanen in einem Anflug von Erleichterung fest, ehe er beginnt zu lesen.

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