Tatorte brauchen kein Happy End

von Mario

Tatortkritik. Von nun an vielleicht regelmässig auf fallen/legen: Keine Analysen, Fakten oder Hintergründe zu Deutschlands letztem Fernsehurgestein, einfach nur ein wenig Senf.

Ein wenig hin- und her gerissen ist man schon. Auf der einen Seite ein Münchner Tatort, die wilden 60er und halbseidene Gestalten und eine wenn schon nicht mitreißende so doch mitnehmende Erzählweise. Auf der Anderen das Anfangs arg unglaubwürdige Spiel des Hauptkommissars Franz Leitmayr, der stereotype Bösewicht und das unvermeidlich schnulzige Happy End. Einerseits war der Tatort unterhaltsam und damit gut, andererseits, naja fangen wir von vorne an…

Mit der Schlagfertigkeit ihrer Münsteraner Kollegen oder der fast schon skandinavisch anmutenden Weite der Fälle der Kollegin Lindholm konnten die altgedient-bodenständigen Münchner Kommissare noch nie mithalten. Wollen und sollen sie vielleicht auch gar nicht. Denn, der Münchner Tatort ist der Beweis, man kann auch auf südlich-brummige Art interessante Fälle schreiben und lösen. Letzten Sonntag beispielswiese eine vertrackte Gechichte um die späte Aufklärung zweier Prostituiertenmorde aus den wilden 60er Jahren und die späte Rache eines Polizisten. Auslöser ist der Fund der damaligen Tatwaffe im Fahrzeug einer ehemaligen Unterweltgröße. Anfangs ein wenig schlepped gewinnt die Geschichte schnell an Fahrt, in parallelen Rückblenden zu dem neu aufgerollten Fall entspinnt sich die ursprüngliche Geschichte aus den 60ern. Stück für Stück fallen den Kommissaren neue Beweise in die Hände, die alle in eine Richtung zu deuten scheinen. Doch, krimitypisch kommt in der Klimax die unvermeidliche, unvermutete und tragische Wende. So “tragisch” müssen sich die Produzenten gedacht haben, da muss ein wenig Zucker bei de Fische. Und so lässt man einen eben verstorbenen Protagonisten, an welchem den Zuschauer aus Produzentensicht wohl tiefste emotionale Bande fesseln, in einer Vortodeserfahrung von seiner damaligen großen Liebe – eine der ermordeten Prostituierten – “hinüberholen”. Es trieft und tropft der Zuckerguß.

Tatorte brauchen kein Happy End. Danke und bis nächsten Sonntag.

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