Tatorte demissionieren!

von Mario

Tatortkritik. Von nun an vielleicht regelmäßig auf fallen/legen: Keine Analysen, Fakten oder Hintergründe zu Deutschlands letztem Fernsehurgestein, einfach nur ein wenig Senf.

Es gibt da diesen Kerl in dieser amerikanischen Serie: Monk, ein Neurotiker aller erster Güteklasse, ohne Betreuerin nicht überlebensfähig, aber bei der Aufklärung seiner Fälle von genialistischer Intuition gelenkt. Monk löst Fälle nicht, er ist kein Kommissar im klassischen Sinn, er ist ein Zauberer, sein ganzes unorthodoxes und unverständliches Tun bleibt für den Zuschauer ebenso unverständlich wie seinen Serienkollegen. Monk als Abendunterhaltung funktioniert nicht weil der Fall in klassischer Kriminalarbeit vor dem Zuschauer obduziert und inspiziert wird, Monk macht seine Fälle zu mystischen Ereignissen, deren Lösung den Zuschauer fortwährend verwundert.

Ich glaube wer immer den neuen Leipziger Kollegen Klepper – und seine Ex-Frau – erdacht hat, hat dabei an Monk gedacht. Nun gibt es gegen gute Kopien wenig einzuwenden, ganze Völker sind stolz auf ihre jahrtausende alte Kopiertechnik, allerdings, zu viele Vorlagen verderben den Brei. Denn Klepper folgt seinem Vorbild leider nur in Punkto Intuition, nicht in anderen charakterlichen Belangen. An Stelle der monk’schen Tollpatschigkeit und, gerne auch unhöflichen, Unbeholfenheit tritt bei Klepper eine unangenehme Schroffheit, ein deutsches Steppenwolftum. Dazu im Kontrast seine Ex-Frau, gutaussehend und immer strahlend freundlich, nach allen Seiten grüßend und sich dauernd für Klepper – “alle nennen ihn so” auch seine Frau – entschuldigend. Und nachdem wir die beiden jetzt kennenlernen durften lösen sie auch gleich einen Fall: Mord an einem Kneipenbesitzer der verdächtigt wurde seine Tochter zu missbrauchen.

Ich werde es nicht nacherzählen, aber Klepper und Ex-Frau lösen denn Fall, natürlich. Immer wieder Klepper, der nicht wie Monk seiner eigenen, kruden Logik zu folgen scheint sondern eher wie von Geisterhand den Weg eines geflüchteten Zeugen durch Hinterhöfe rekonstruiert. Hier hat man dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt in dem man das vom Dach hüpfen eines Mittdreißigers mit einem Wooosch direkt aus dem Parcour Part des letzten James Bond unterlegt hat. Der völlig grundlos nachts mit gezückter Pistole an den Tatort schleicht und prompt die Ehefrau des ermordeten bei der Suche nach verstecktem Geld ertappt. Aber auch Eva Saalfeld (seine Ex-Frau, um das nicht dauernd zu schreiben) macht die nicht passierende Enträtselung des Falles besser, seltsame Psychospielchen mit Verdächtigen und verdächtigen alten Freunden, teilweise weit jenseits des Grundgesetzes… und dann, in einer Situation wo weder für Zuschauer noch Kommissare irgendjemand wirklich verdächtig erscheint, fällt sie vom Himmel, die erlösende Akte. Die Einblick gibt in das Leben eines Verdächtigen der als Kind selbst missbraucht wurde. Dramatische Konfrontation – Fall gelöst.

Naja.

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