Gutes Geld.

von Christoph

Dramatisch. Notfallplan. Rettung in letzter Minute.

Die Beschreibungen der Medien über die Finanzkrise und die besonders betroffene Bank Bear Stearns nebst kurzfristiger Rettung vor dem Bankrott erinnern teilweise mehr an einen Thriller als an das seriöse Bankengeschäft. Bear Stearns hat am vergangenen Wochenende Sonntagnacht festgestellt, dass die Bank kein Geld mehr hat, um die Lichter im Bankhaus anzuschalten, um es überspitzt darzustellen. In einer Nacht- und Nebelaktion haben sich andere Banken, insbesondere der Käufer JP Morgan, die US-Finanzaufsicht und das Finanzministerium auf einen Notverkauf geeinigt. Die fünftgrößte Immobilienbank der USA wechselt den Besitzer.

Kaum war dieser dramatische Moment nebst Notfallplan der Insolvenz in letzter Minute über die Bühne gegangen, schon schrieen auch deutsche Banker auf: Herr Ackermann von der Deutschen Bank forderte sofortiges Eingreifen des auch des deutschen Staates, der Bundesverband der Deutschen Industrie stellte durch den starken Dollar einen Ertragsrückgang in Aussicht. Die Banken wollen also das Geld des Staates – also der Gemeinschaft. Insbesondere die Bankchefs. Sonst, so malen sie das Schreckgespenst an die Wand, drohen Bankpleiten: Historisches Vorbild die Pleite der Darmstädter Bank (Danat) 1931 und die darauf folgende Inflation.

Doch – das Gespenst will nicht so recht schrecken: Jahrelang haben Bankchefs ihre Millionengehälter mit der ungemein großen Verantwortung gerechtfertigt, die sie für die Weltwirtschaft, für ihr Unternehmen und für die Preisstabilität trugen. Jetzt, da ganz offensichtlich die Verantwortung gefragt ist und Probleme auftreten – da ruft man lauthals nach dem Staat. Gewinne wurden privatisiert, Verluste sollen nun sozialisiert werden. Und noch ein Problem mit dem Geisterszenario tritt auf: In beiden Fällen ist der Verlierer der kleine Bürger: Entweder verliert er seine gesparten Einlagen, weil die Bank pleite geht, oder er verliert seine Steuergroschen, weil der Staat – statt das Geld in Kindergärten, Straßen und Schulen zu investieren das Geld an Banken geben muss. Der Weg über den Steuerzahler ist für die Banken sogar der vorteilhaftere: Im Falle einer Bankpleite müssten alle anderen deutschen Banken über den Kreditsicherungsfond Milliardenbeträge ausbezahlen und so behielten die Männer und Frauen an der Spitze ihren Job (zumindest die Chefs der Pleite-Bank). Und auch die persönliche Schuld ist eher gering: Man hat keine Bank in den Konkurs gefahren – das Kreditinstitut existiert ja noch.

Statt also nun nach dem Sozialausgleich zu rufen, wäre es an der Zeit, Bankenchefs zu voll haftenden Geschäftsführern zu machen und somit ihren unermesslichen Millionengehältern ein reales Risiko gegenüberzustellen. Vielleicht wäre dann auch so manche Entscheidung für eine fragwürdige Immobilienfinanzierung nicht ganz so leichtherzig unterschrieben worden.

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Ein Kommentar.


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