Schwabings Worte leuchten blau.

von Flo

Wie sehr man lebt, an einem Ort, das hängt mit der Dichte an auffindbaren Wundern zusammen – nichts zu erwarten, nichts zu finden, nur Beton, glatter Horizont und gleiches Innenleben, das macht müde. Also baut man Kirchtürme, um die Gedanken hinaufzuziehen, setzt Reliefs zwischen Plattenbauten; für die Tiefe, und baut Häuser am Wasser, um den Fluss der Dinge zu sehen. Das beste aber, man entdeckt eigene, sonst unsichtbare Fundstätten.

Man ist nicht länger Bahnenzieher, sondern Goldschürfer: Fortan glaubt man, das Besondere liege wirklich auf, oder zumindest an der Straße – man könnte es jederzeit finden; besser man hält die Augen auf, und den Kopf wach. Für ein stilles Plätzchen am Kanal, das Café mit der besten Musik, irgendeinen versprengten Fetzen Kunst, oder den Schatten und das Blätterrauschen unter dem ältesten Baum der Stadt. Solange es sich lohnt zu suchen, und Erwartungen hat, wenn man um die nächste Ecke linst, lebt man – oder nicht?

München ist, was das Versteckte betrifft nicht der Hort der wildwuchernden Wunder – oft ist die reiche und saubere Oberfläche dick, und beim Anklopfen klingt es hohl. Aber in einer Millionenstadt gibt es Grund zur Grundhoffnung eines Fundes.

Und just dort, wo München in den Sommermonaten am meisten europäische Großstadt ist, der Verkehr ein paar Blocks entfernt rauscht und hupt, die Häuser dicht aneinander, aber nicht zu groß und nicht zu uniform stehen; die Uni Kolonnen von fahrradfahrenden jungen Menschen aussendet, und Cafés, Clubs und Pizzerien ihre Musik und Stühle an den Bürgersteig drängen, da gibt es Entdeckungen zu machen: Neben der Gastronomie, und unter dem warmen Licht der Wohnetagen leuchtet es aus einem Hauseingang tiefblau.

Keine neonlichterne Reklame für eine Bar, oder eine andere Geldvernichtung, sondern Worte hinter Glas. Aus dem Alltagsgedankengewirr stoßen und am Rockzipfel ziehen: Ein Gedanke von hier, der Blick einmal von dort. Kleine Geistesblitze, andere Gefühlszustände. Oder: Nimms bloß nicht so ernst: “Seine Arme waren zu kurz. Sie reichten nicht ganz bis zu den Händen”. Ein Fund! Versteckt genug, um ihn einmal selbst zu machen.

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Vor Ort wechseln die Worte regelmäßig.

Lyrik-Kabinett
Amalienstr. 83a
80799 München

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Ein Kommentar.


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