Mittel Meer.

von Flo

Ich fühle mich so fehlerhaft, dass ich glaube nichts schönes tun zu können, sagte ich, schaute auf ein Stück Zeitung, das als papierne Krone auf den Wellen durch das Hafenbecken trieb.

Der warme Asphalt schnitt in die Kniekehlen, in unserem Halbrücken standen pastellfarbene Betonkisten in die Dämmerung, die Nacht legte eine immer noch warme Decke aus Luft um unsere Schultern.

Sie sah mich an, wusste nicht, wie ich meine; fragte: Wie meinst du? Die halbherzig abgesandte Nussschale meiner Worte schwamm im winzigen Wellengang fort wie das Stück Zeitung; ich zuckte die Schultern und tätigte eine dünne Erklärung in wackligen Worten; manchmal hören sich meine Gedanken ausgesprochen so fehlerhaft an, dass ich glaube, nichts wahres denken zu können.

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Wir rückten ein wenig näher, als die Lichter begannen sich im Wasser zu spiegeln, und am Horizont die roten Lichter großer Schiffe langsam vorüberzuziehen. Gegenläufig zu der Bewegung tiefer drinnen, auseinander, wie zwei Magnete gleicher Polung – unter Kraftaufwand annäherbar, aber immer in der Tendenz sich in letzter Sekunde aneinander vorbeizuschieben. Kein Ankommen in Sicht. In meiner Brust drehte sich irgendetwas, die Decke aus warmer Luft lastete schwer, und ich hielt sie fest, um an irgendetwas festhalten zu können.

Das Fenster stand offen, und ich versuchte meine Gedanken auf ein Ziel zu richten, an das einen ein Zug tragen konnte, Worte zum Trost. Über Hunderte von Kilometern lag die Hitze über dem Land, die das Empfinden ständig an der Oberfläche der Haut hält; ihre warmen Decken selber webt, Nächte legt, niedrig wie ein Flachdach über dem Kopf; und all das was einmal hierher lockte, die seltsamen Geschichten der Bahnhöfe, müde Gesichter an den altbackenen Raststätten, neue Begegnungen… All das war nie das Geheimnis als das es schien. Nur durch Hallen und auf Reisen getragene Probleme und Egoismen, MTV, und überall die magnetische Distanz in den Worten und Gesten – ich hörte einmal das Fernsehen sagen, man könne sich nie berühren, man spüre nur die Reibung der Elektronen.

Ich ging nirgendwohin, weil es für diesen Moment keinen Ort gab, an den zu gehen sich lohnte, und die Träume klebten nicht mehr so fest an der Musik, die ich hörte.
Das Meer war sicher warm, die Tanker, auf irgendeinem Weg von Split nach Triest; keine Ferne, nur Transit; zogen an den Buchten vorbei, in der Ferne rauschte eine Straße, draußen das Gespräch der Heimkehrer. Im Mondlicht spiegelte matt die Haut, und in Abwesenheit eines Zieles stieg mit dem Mond der Gedanke, dass Aufgeben ein Bestes wäre. Das Aufgeben aller Optionen; ein Ende des Hoffens auf das Überwinden des Magnetismus. Den Selbstbetrug des Glauben an irgendein absolutes Verstehen vergessen. Und es schien mir seltsam, dass man Ehen in Philipsburg irgendwo bei Umag schließen kann.

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