Rote Räume.

von Flo

This room is a cold, cold place“.
- steht in projizierter Lichtschrift auf rotem Vorhang. Das größte verfügbare Kompliment: Der Raum, an dessen Wand die Worte geworfen werden ist das heute nicht: Ein kalter Ort.

Konzerte haben sicher Farben. Dieses ist rot-warm. Vielleicht auch nur eine simple Assoziation mit den vor langem orange-rot gestrichenen und blättrigen Wänden der Glockenbachwerkstatt und der vorsichtigen Beleuchtung: Ein einzelner glühbirnenartiger Spot ist auf die Band gerichtet, und da ist auch der alte Trick mit der Lampe auf dem Verstärker: Eine grüne Bibliotheksfunzel steht im Rücken des Gitarristen.

Mikrofonständer spiegeln metallisch, der Midi bleibt im Halbdunkel, Schatten der Musiker bewegen sich über den Boden am linken Raumende, von einer Monitorbox von der Band getrennt. Warmes Licht auf den Gesichtern der Konzertbesucherinnen. Wärmt schon blasse Haut. Gekniete Fotos, ein Blitz.

Wahrscheinlich aber nicht. Im Halblicht sieht es ein bisschen aus wie der Schokoladen, in der Hauptstadt, der immer überhitzte kleine Club für die Nichtmainstreamkultur… Es ist aber vor allem der Klang der Band, der versetzt: Wie bei Torchous, oder Seidenmatt nämlich, Post-Rock, suchend, ohne allzu große Ausbrüche und ohne zu weiches Fallen: Eine Frage, aus den Handgelenken und der Stimme geschüttelt und herbei erfordert. Wie von einem Ort inmitten von Landschaften ungelöster Wahrheiten. Berlin, Hamburg, Warschau… Now we have counterarguments, for everyone who still pretends. Wortfetzen stückeln sich, metallisch schillernde Gitarrensprengsel verschränken und addieren sich;; Bewegungen vom und zum Mikrofon, englische Begriffe aus ihrem schnellerfassten Sinn herausakzentiert, verdoppelvokalt. Dry your cheeks. What we found. Is golden. Wogen.

Der eingeatmete Rauch aus den Abenden in den Raucherclubs und der kalte Spätseptember Münchens kratzen im Hals, und erinnern an das Hier und den Alltag, gleich-zeitig drehen sich einige hundert Meter weiter die Neonlichter des Festes an Rädern über die Stadt – und klingen Ships Funken eben so gar nicht wie München. Weniger kalkuliert sicher. Warm. In Bewegung.

Harmonien, dann das Kratzen, Breaks, dann das Rufen. Aus der letzten Reihe betrachtet, den Rücken an der warmen Holzwand heben sich die Köpfe gegen die Lichtstrahlen ab, kreisende Bewegungen nach rechts und links, dezente Indie-Frisuren, Samstagabendlächeln, Augustinerflaschen.

Noch ein letzter neuer Fetzen am hohen Vorhang: Fear the past. Konzerte sind sicher Räume: Dieser ist rot-warm, die Musik eine Suggestion vom Zusammen-Suchen, Harmonien – nach innen. Und das Anschwellen und Rufen, Andersschreien mit den angedrehten Vokalen aus diesem Gemeinschaftsraum ein Rütteln – nach außen. Vom Nochanderssein in irgendwelchen nicht zu lange vergangenen Zeiten. Im Warmen nach Außen rütteln: This is what you cannot regulate.

Anders als diese Stadt. Draußen ist sie dann immer noch München, mit dem sauberen Asphalt, und all der eingeatmete Rauch und die kalte Septemberluft rauen die Atemwege auf. Man muss die Fragen wieder alleine an die Wände denken.

[audio:fearthepast.mp3]

Danke an Nils für das mp3 und an Yoko für das Foto!

Metadaten:

Ein Kommentar.


    Fatal error: Call to undefined function is_wpuser_comment() in /www/htdocs/w008468a/fallenlegen/_fl1/wp-content/themes/wearemagazine_2/comments.php on line 30