Informations- redundanz

von Christoph

An wenigen Begriffen lässt sich der Unterschied von Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften so leicht festmachen wie dem der Wahrheit. Für erstere gibt es nur hunderttausende von verschiedenen Aspekten selbiger, während zweitere diese in eine Formelsprache übersetzen und zwischen Definitionen wenig Platz lassen. Auch die Realität ist ähnlich umstritten. Was ist real? Sind wir – sind wir nicht? Sind wir nur Produkt unserer eigenen Phantasie? Oder doch zu 70% aus Wasser bestehende Säugetiere namens homo sapiens sapiens. Wobei Geisteswissenschaftler zumindest das zweite sapiens sofort wieder in Frage stellen werden.

Doch der Mensch macht sich seine Realität. Wir sind in einem dauerhaften Prozess der Simplifizierung, der Vereinfachung und Minimalisierung unsrer Sinnenseindrücke. Unsere Welt wird beständig auf redundante Informationen hin abgesucht, die eliminiert werden können. Unser Gehirn ist in den Jahrtausenden perfekt darin geworden, überflüssiges auszusortieren. Eine Überlebensstrategie. Belaste Dich nicht mit unnötigem. Mehr sein als schein, sagt man. Wir sind Perfektionisten des Scheins.

Die Umwelt voller Informationen tatsächlich bewusst aufzunehmen und in ihrer Gänze wahrzunehmen würde uns binnen Sekunden in kompletten Wahnsinn stürzen. Alle unsere internen Priorisierungen wären dahin, alles wäre gleich wichtig oder gleich unwichtig. Der Moment wäre die Allgegenwart von hunderttausenden von gleichzeitigen Sinnenseindrücken. Ein permanenter Sinnesrausch.

Was aber das Überleben des Menschen über unvorstellbar lange Zeiträume sicherte, wird nun zur Gefahr. Bedenken- und problemlos räumen wir Themen aus unserer Wahrnehmung die jetzt und in diesem Moment nicht allerhöchste Gefahr für unser Überleben der direkten Zukunft darstellen. Dies ist sicherlich aus biologischer Sicht ökonomisch, belasten wir doch unseren Kopf nicht mit Gedanken, die – rein evolutionstechnisch gesehen – kein bisschen weiterhelfen. Doch es ist etwas passiert, was die Evolution in ihren kühnsten Träumen nie geahnt hätte: Der Mensch ist in der Lage, durch Nichtstun die Welt an den Abgrund zu bringen und sich selbst auszulöschen. Eine komplett neue Fragestellung, die es so noch nie gegeben hat und auf die wir in keinster Weise vorbereitet sind. Vielleicht macht das es so schwierig, sich mit globaler Erwärmung zu beschäftigen.

Ein Umdenken ist nötig, ein Umdenken ist essentiell. Wir müssen von der Breite in die Tiefe, aktiv die Umwelt wahrnehmen und die Probleme, die sich abzeichnen schon jetzt erkennen. Denn sonst wird es zu spät sein.

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