RICH ratsch…

von Mario

rich-mag
Quelle: RICH Germany AG

Foto mit weißem Rahmen. Eine blondgelockte Schönheit mit leicht genervtem, distanziertem Blick über die entblösste linke Schulter, die rechte verhüllt ein Pelz. Darüber prangt in weißen Lettern, das Programm, der Leitspruch und der Anspruch eines neuen Magazins: RICH.

Ein Magazin von Reiche für Reiche möchte man meinen, wir beginnen zu blättern. Seite 1, das Cover wie oben schon beschrieben. Seite 2 und 3 ziert eine Anzeige, Seite 4 und 5 auch, Seite 6, 7, 8, 9 und 10 auch. Dann endlich, nach reich-lich Werbung, das Editorial. Die Redaktion begrüßt den “besonders exklusiven Leserkreis unseres Magazins”. Denn “RICH kann man nicht kaufen. Und Sie können RICH nicht am Kiosk, in Hotels oder bei Airlines finden. RICH müssen Sie sich verdient haben, um es in ihr Zuhause zu bekommen. Und das haben Sie – so wie 533.000 andere Führungskräfte, Manager und Unternehmer in Deutschland.”

Man will “intelligente Unterhaltung mit hervorragenden Autoren und Fotografen von internationalem Format” bieten und aus den Luxuswelten von Architektur, Interieur, Fashion(sic!), Beauty(sic!), Food(sic! Kleidung, Schönheit/Pflege und Essen sind ja so unschöne Wörter), Design, Reisen und Technologie berichten. Potentiellen Anzeigenkunden sollen mit Sätzen wie “RICH kann nur lesen wer sich Luxus auch leisten kann” oder “Monatlich erreicht RICH garantiert 100.000 Luxushaushalte in der so genannten Premiumzielgruppe” schmackhaft gemacht. “Das Magazin bietet Inspiration auf höchstem Niveau – mit echten Geheimtipps und spannendem Talk Value für seine Leser.” Talk Value! Hier sind keine Wasserkocher mehr am Werk, das sind ganze Dampfkessel, die hier mit Marketingsprech befeuert werden. Es wird versucht eine Exklusivität herbei zu schreiben die das Magazin definitiv nicht bietet. Warum? Weil es sie gar nicht bieten kann. Denn, was RICH bietet ist ein simpler Querschnitt durch die Luxusspalten der Frauen- und Männerzeitschriften der Republik, exakt die gleichen Copy&Paste PR-Textbausteinchen und Bilder, aufgelockert durch Fotostrecken und Portraits.

Was RICH so interessant und verrisstauglich macht ist nicht, dass dieses Magazin funktioniert wie hunderte Andere, sondern dass es versucht so zu tun als ob es das nicht tun würde. Sich aggressiv als edel und exklusiv vermarktet und positioniert – und es doch nicht sein kann. Denn anders als im Editorial behauptet kann man RICH sehr wohl kaufen, man kann alles in RICH kaufen. Die Sport- und Luxuswägen ab Seite 147, die unter Kultur rangierenden Bilder des aktuellen Christo Projekts “Over the River” ab Seite 188 oder die Uhren der “Premium Class” die sich Models lasziv ab Seite 80 vor das Gesicht halten. Egal ob seitenlanger “Artikel” oder kurze “Meldung” irgendwo findet sich immer der fettgedruckte Markenname, die Bezugadresse und meist auch der Preis. RICH ist nichts anderes als der OTTO-Katalog für Millionäre, zugegeben in eleganterer und aufwendigerer Aufmachung. Deshalb kosten Uhren hier auch nicht 39,99 (übrigens ein lesenswerter Roman von Frederic Beigbeder) sondern ein normales Jahresgehalt. Da macht es Sinn, am Ende des Heftes in der Kathegorie “enRICHed”, “Charity – Projekte” vorzustellen, mit welchen man sich am Schluss noch das Gewissen rein kaufen kann.

Nichts ist exklusiv in diesem Magazin, man kann alles kaufen. Vielleicht macht es das so billig.

Metadaten:

Ein Kommentar.


    Fatal error: Call to undefined function is_wpuser_comment() in /www/htdocs/w008468a/fallenlegen/_fl1/wp-content/themes/wearemagazine_2/comments.php on line 30