Ohne Lösungen schöner.

von Flo

Was gäbe es für einen Grund, Musik mit einer Gitarre und einer Stimme zu machen, wenn nicht die Unmittelbarkeit? Ich meine: Die Nachvollziehbarkeit.

Ich meine also: morgens an der hausecke stehen, und jemandem im ohr haben, der so klingt, als könnte er hier selber einen morgensanderhauseckesong singen. so zu hören, als könnte man selbst an der hausecke singen. Ich meine: die langen tage, und die lösung als ein kleines irgendetwas in der jackentasche, das zwischen zerknüllten taschentüchern und terminenplänen nicht an das märztageslicht will.


Es gibt auch Momente für die Streicher in Bittersweet Symphony. Aber Erhebung ist kein Tagesgeschäft. Kein Trost für den kleinen Märztag. Also Gitarren und Stimmen.

Deswegen war es noch nie besonders erhebend mit Westerngitarren von großen Lieben zu singen. Sondern vom Zerfleddern in den Jackentaschen. mittelstadtstraßen im sonntagsregen.

talking to turtles. A Car, A Beer, Cigarettes. Regen und Auto und Zigaretten. ich könnte mir vorstellen auf diese art auf einem beifahrersitz zu sitzen und zu warten (dass später nicht kommt). auf einem sessel auf das losgehen zu der party vor dem kater, das glitzern vor dem seufzen. Your hopes and hopes and fears.

Oder Stadtlichter. Die unkunstvolle Chiffre: Sagen, was man meint, aber dafür ja schon gegraben haben müssen. Westdeutsch: wir wohnen ja alle auch nur in nachkriegsbauten. und hängen jene träume unter die niedrigen decken, die an langen fäden auch bis an einen altbaustuck reichen würden. Aber: „wenn ich einer von denen bin, die auf die sonne warten und warten, denen dann doch der regen fehlt?“.

Und dann verschwimmen all die Popguitarren, die nur Geschichten erzählen.

Gedankenfliehen. Nicht in Wunderwelten, sondern in Universen, die neben dem eigenen schweben, und gefahrlos wieder verlassbar sind. Nicht ohne das eigene zu legitimieren. Wie soll es trösten, wenn ihr eine Lösung kennt, die ich nicht kenne? Aber so geht es: im morgen an der straßenecke. mit den letzten minuten vor dem kater, oder den schweren lidern auf dem weg zum bus. Mit der lösung zwischen den zerknüllten taschentüchern: eine fremde, noch nicht erfassbare Kontur zwischen den fingerkuppen.


talking to turtles: Englischsprachige Akustikminiaturen. Mit der zerknitterten Schönheit einer Dämmerung mit melancholischem Herz unter dem T-Shirt. So schön so – aber nicht noch besser produzieren, besser. Und immer weiter ins Irgendwo fordern: Did you ever notice/how much I need this? Und die Bassläufe die leeren Straßen runter schlendern lassen. [Eine EP zum kostenlosen Download auf last.fm.]

| 07.04.09 Madame Claude, Berlin | 09.08.09 Jenseits von Millionen-Festival, Burg Friedland |


Stadtlichter: Deutschsprachiger Akustikpop. Wie Tomte, nur mehr nebenan. Sagen könnte man es auch so, aber aussprechen muss man es erstmal. Gesungen hört man das gerne. Wenn es auch einfach ist.

| 28.03.09 Stilbruch, Koblenz | 18.04.09 Cafe Nova, Essen | 09.05.09 Container, Wuppertal |


Oder auch: Petula [Berlin]. Samamidon. [US(A)].

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Ein Kommentar.


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